Stahl aus dem Ruhrgebiet über die Schiene nach Schweinfurt
Die Kreisbahn Siegen-Wittgenstein (KSW) hat einen bedeutenden überregionalen Transport-Auftrag von der ZF Friedrichshafen AG gewonnen – einem weltweit aktiven Technologiekonzern mit rund 161.600 Mitarbeitern und einem Umsatz von 41,4 Milliarden Euro im Jahr 2024. ZF liefert hochentwickelte Produkte für die Mobilität von Pkw, Nutzfahrzeugen und Industrietechnik und ist an 161 Produktionsstandorten in 30 Ländern vertreten.
Am Standort Schweinfurt, wo neben der Division Elektrifizierte Antriebstechnik auch Nutzfahrzeugtechnik, Pkw-Fahrwerkstechnik, ZF Aftermarket und ZF Race Engineering vertreten sind, setzt das Unternehmen auf verlässliche und nachhaltige Materialversorgung – jetzt mit der KSW als neuen Bahnlogistikpartner. „Es freut uns außerordentlich, dass ZF uns für die Versorgung seines Schweinfurter Standorts das Vertrauen geschenkt hat. Deutschlands zweitgrößten Automobilzulieferer als verlässlicher Dienstleister auf dem Weg in die Zukunft der Mobilität begleiten zu dürfen, ist ein großer Ansporn für den Ausbau unserer überregionalen Aktivitäten“, betont Landrat Andreas Müller und unterstreicht damit die wirtschaftliche Bedeutung des Auftrags für die Region.
Die KSW, das Schienengüterverkehrsunternehmen des Kreises Siegen-Wittgenstein, hat auf Anfrage von ZF im Juli 2025 ein maßgeschneidertes Bahnlogistikkonzept entwickelt. Ziel war es, den Transport von Spaltband von zwölf Stahllieferanten im Ruhrgebiet – unter anderem aus Hagen, Krefeld, Bönen, Gelsenkirchen, Plettenberg, Bad Salzungen und Iserlohn – nach Schweinfurt zu optimieren. Bisher erfolgte der Transport überwiegend per Einzelwagenverkehr der DB Cargo oder Lkw, was mit hohem logistischem Aufwand und geringerer Planungssicherheit verbunden war. Die KSW löste die Kundenanforderungen mit einem wöchentlichen Ganzzug, der seit dem 8. Januar 2026 vom Railport der Spedition Transport Logistik GmbH in Iserlohn Letmathe abfährt. Die Beladung der Waggons erfolgt weiterhin durch die Spedition, die KSW übernimmt den Transport und die Zustellung an den drei Schweinfurter Empfangsorten im sogenannten „Milkrun“-Verfahren. Die Entladung erfolgt am Abend des Ankunftstages bis zum Vormittag des Folgetages, anschließend werden die Leerwagen zurück nach Siegen gesammelt.
Ein besonderer Vorteil des Konzepts: Dank des eigenen Waggon-Pools der KSW kann ZF wöchentlich flexibel entscheiden, wie viele Waggons benötigt werden – und kombiniert so die Flexibilität des Einzelwagenverkehrs mit der Effizienz des Ganzzugverkehrs. Die Zusammenarbeit hat sich bereits bewährt – der Verkehr wurde stabil eingeschwungen, und ZF hat einen Dreijahresvertrag mit der KSW abgeschlossen.
„Als das Schienengüterverkehrsunternehmen aus NRWs stärkster Industrieregion Südwestfalen können wir in diesen Verkehr unser fundiertes Know-how an versorgungsrelevanten Stahltransporten gewinnbringend für alle Beteiligten einbringen. Nach dem guten Start der Zusammenarbeit blicken wir bereits gemeinsam auf die nächsten Entwicklungsschritte. Die konsequente Fokussierung auf 100% Eigenfertigungstiefe bei bundesdeutschen Lager-Werk- und Werk-Werk-Verkehren zahlt sich für unsere Kunden aus der stahlverarbeitenden Industrie durch kurze Kommunikationswege bei hoher Verlässlichkeit aus.“ So beschreibt Christian Betchen, Geschäftsführer der KSW, die Bedeutung des Auftrags für das Unternehmen.
Martin Funcke, Logistikleiter Blechumformung am ZF-Standort Schweinfurt, ergänzt: „Eine verlässliche Materialversorgung ist die Grundlage für eine stabile Produktion und damit für die termingerechte Belieferung unserer Kunden. Mit der Umstellung auf das neue Schienenkonzept stärken wir diesen Prozess entscheidend. Das erhöht die Planungssicherheit am Standort, verbessert unsere Lieferperformance und schafft zugleich Freiräume, um weitere Effizienzpotenziale gezielt zu nutzen. Zugleich ermöglicht uns die Umstellung auf die KSW, unsere bereits sehr gute CO₂-Bilanz bei der Anlieferung von Stahl weiterhin beizubehalten und damit auch künftig einen ressourcenschonenden Transport sicherzustellen.“
Foto (KSW)