Wie kann es gelingen, mehr Waren nicht mit Lastwagen, sondern auf der Schiene von A nach B zu transportieren? Mit dieser zentralen Frage beschäftigt sich das Netzwerktreffen Schienengüterverkehr Mittelhessen seit mehr als dreieinhalb Jahren. Hier hat das Regierungspräsidium Gießen verschiedene Akteure zusammengebracht – von Kommunen, Unternehmen und Wirtschaftsförderern bis hin zu Ministerien und Bahnunternehmen. Zwei Mal jährlich tauschen sie sich aus. Das jüngste, inzwischen neunte Treffen fand online mit Referenten aus Siegen statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewannen einen Einblick in ein nichtbundeseigenes Eisenbahnverkehrs- und Infrastrukturunternehmen, die KSW Kreisbahn Siegen-Wittgenstein GmbH. Geschäftsführer Christian Betchen stellte das Unternehmen vor.

Das Unternehmen, das in abgewandelter Form bereits seit 142 Jahren besteht, ist Teil der Beteiligungsgesellschaft des Landkreises Siegen-Wittgenstein und damit in kommunaler Hand. Seit 2011 transportiert die Kreisbahn im überregionalen Schienengüterverkehr vor allem Stahl aus der Region, beispielsweise zu und von den Häfen Duisburg und Dortmund. Insgesamt werden durch das Unternehmen 3,5 Millionen Tonnen Waren pro Jahr auf der Schiene bewegt. Neben einem eigenen Containerterminal verfügt die Kreisbahn unter anderem auch über eine Werkstatt für Personenzüge, die derzeit von der Hessischen Landesbahn angemietet ist.

Als große Herausforderungen nannte Christian Betchen die hohen Kosten und den bürokratischen Aufwand für die Zulassung zum Schienengüterverkehr und großräumige Streckensperrungen durch die Korridorsanierungen im Bahnnetz, die mit Umwegen für die Züge verbunden sind. Zudem seien die Trassenpreise hoch und unvorhersehbar. Ein weiteres Problem bezüglich der Infrastruktur sieht der Geschäftsführer darin, dass die Schiene innerhalb Europas nur teilweise elektrifiziert ist und daher verschiedene Zugtypen verwendet werden müssen.

Daneben blickten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch auf zwei positive Projekte im Land Nordrhein-Westfalen, in dem die Kreisbahn ihren Sitz hat. Zum einen wurden wegen der Baustellen auf den Talbrücken Rahmede und Wiehltal Transporte im Ruhrgebiet und Südwestfalen auf Binnenschiffe und die Schiene verlagert, um die Brücken vom Lkw-Verkehr zu entlasten. Es werden verfügbare Schieneninfrastrukturen in Siegen, Duisburg, Wesel und Dortmund genutzt und Kombiterminals wie beispielsweise Kreuztal eingebunden, um den Warenfluss auch bei Sperrungen aufrechtzuerhalten. Zum anderen vergibt das Land NRW vergünstigte Kredite für die Anschaffung von auf Mehrkraftlokomotiven. Das sind Züge, die flexibel zwischen dem Betrieb mit elektrischem Strom aus der Oberleitung und einem Verbrennungs- oder Batterieantrieb wechseln können.

Ergänzend dazu stellte der Regionale Schienencoach des Regierungspräsidiums Gießen, Jonas Goebel, das nun in Deutschland zugelassene Konzept des rXP Interregion Cargo Rail Truck vor. Dieses System soll den Transport von Gütern auf kurzen und mittleren Strecken flexibler machen. Es handelt sich um einen batterieelektrischen Zug, der dank seiner starken Beschleunigung besser zwischen den im Fahrplan verkehrenden Personenzügen eingesetzt werden kann. „Das System verbindet die Vorteile des umweltfreundlichen Schienengüterverkehrs mit den Vorteilen des flexiblen Straßengüterverkehrs“, sagte Goebel.